Denkmal von lokaler Bedeutung
Die christkatholische Kirchenpflege wurde nach dem Renovationsgesuch mit Kostenvoranschlag vom 9. November 1967, am 6. November 1969 vom Departement des Innern darüber informiert, dass es beim Gotteshaus St. Martin um ein Denkmal von lokaler Bedeutung geht. (Herr Professor A.A. Schmid).Als Experte für die Innenrenovation wurde Herr Kantons-baumeister K. Kaufmann zugewiesen. Der Kostenvorschlag wurde von Herrn Architekt Werner Vogt in Zusammenarbeit mit dem kantonalen Denkmalpfleger Herrn Dr. Felder zusammengestellt.. Bereits 1962 erfolgte die Aussenrenovation der Kirche.
Peter Amiet, damals Pfarrer von Magden, machte am 9. November 1967 einige Angaben zum Ist-Zustand der Kirche z.H. der eidgenössischen Denkmalpflege. Die Kirche erhielt die jetzige Form 1620. Nach einer barocken Inschrift ist sie damals gebaut worden. Die Inschrift lautet:
DEO T OM B V DEIPARA S MARTINO EPO AEDIFICATUM EST HOC TEMPLUM. ANO DNI M DC XX
Die spätgotische Marienstatue vom rechten Seitenaltar muss aus der alten Kirche stammen. Leider war es nicht möglich, die Fundamente der alten Kirche zu untersuchen und Bilder oder Pläne der alten Kirche wurden bis jetzt nicht gefunden. Wie bereits erwähnt, wurde die Kirche 1036 samt Reben erwähnt und stammt wahrscheinlich aus der merowingischen/karolingischen Zeit. Auf einer alten österreichischen Grenzkarte von 1602 ist die alte Kirche eingetragen, also vor der Neuerrichtung der jetzigen Kirche. Dass die neue Kirche die Zerstörungen des Schwedenkrieges überlebt hat, ist erstaunlich. Rheinfelden wurde 3x geplündert und Höflingen dem Boden gleich gemacht. Auch an anderen Orten haben die Schweden fest gewütet. Aus der Gründungszeit der jetzigen Kirche stammt das Ewige Licht und ein Kruzifix, das als Leihgabe Starrkirch gegeben wurde. Ebenfalls aus dieser Zeit sind eine Martinsstatue sowie eine Gethsemanegruppe, die sich seit 1967 im Museum Rheinfelden befinden.
Kurz nach 1803 sind die Altäre des in diesem Jahr aufgehobenen Kapuzinerklosters Rheinfelden nach Magden gebracht worden. 1913 wurden die Altäre, Kanzel, Taufsteindeckel und wohl auch Rahmen der Stationenbilder von der Marmorierung befreit, sei es durch Ablaugen oder Uebermalen. Die Orgel hat die heutige Gestalt von 1920. Der bessere Teil des Gehäuses ist älter. Laut Protokoll der Kirchenpflege bestanden bereits unter Lehrer David Obrist in den 60-ziger und 70-ziger Jahren des 19. Jahrhunderts Probleme mit der Orgel. Unbekannt ist, aus welcher Zeit die Emporen stammen. Die Wände tragen Empirestuck und wurden im 20. Jahrhundert grünlich bemalt. 1951 wurde der Boden des Schiffes erneuert durch gelblichen Kalkstein, während der frühere grau war und aus wesentlich grösseren Platten bestand. Aus mündlichen Berichten wird dazu gemeldet, dass alte Gräber in der Kirche entfernt wurden.
Ebenfalls 1951 wurde eine Heizung installiert, neue Türen in freiem Stil erstellt und die einfache Holzverkleidung der Wände längs der Bänke wegen der Feuchtigkeit entfernt. Dabei wurde der stark verwitterte barocke Scheinsockel der Wände entfernt und anstelle eines schweren Vordaches aus dem letzten Jahrhundert ein schlichtes Pultdach errichtet. Der Turm ist älteres Datums. Die Grösse des Schiffes der alten Kirche war vermutlich kleiner und etwas kürzer. Die jetzige Sakristei wurde nach der Neuerrichtung im 18. Jahrhundern am Priesterchor der Kirche angebaut.
Die Denkmalpflege hat die Innnenrenovation 1972 fachgerecht und ausgezeichnet durchgeführt. Zu einem guten Gelingen dieser grossen Arbeit haben sicher Architekt Werner Vogt, Denkmalpfleger Dr. P. Felber Restaurator Fritz Walek, die verschiedenen Handwerker, Pfarrer Peter Amiet und Kirchgemeindepräsident Ernst Bürgi beigetragen. Aus eigenen Mitteln, Spenden, Unterstützung der Gesamtkirche, des Kantons und des Bundes konnte die Finanzierung sicher gestellt werden.
Nach einem Gespräch mit Pfr. Peter Amiet schreibt am 2. September 1970 der kantonale Denkmalpfleger Dr. P. Felder, dass er die qualitativvolle Altargruppe erhalten möchte. .Die Denkmalpflege hat sofort die Bedeutung einer Renovation dieser Altargruppe aus der Barockzeit eingesehen. Diese Altäre stammen wahrscheinlich aus der Werkstatt des Meisters Matthias Faller (1770 - 1790). Ursprünglich waren sie in der Kapuzinerkirche Rheinfelden. Nachdem am Anfang des 19. Jahrhunderts diese Kirche aufgehoben wurde, sind die Altäre in der Kirche St. Martin, Magden, aufgestellt worden. Sie ersetzten anscheinend künstlich geringere Retabel. Aus Raumgründen wurden die Seitenaltäre schmaler gemacht. Aus dem Hauptteil des Aufbaus wurde in der Mitte ein Stück herausgesägt, dann die Seiten zusammengeschoben. Statt der nun zu grossen Bildern stellte man andere Statuen hin. Durch eine angemessene Restaurierung haben diese Altäre eine starke ästhetische Aufwertung bekommen. Heute gehören die drei alten Altäre mit der neuen passenden Mensa zum gewachsenen Ausstattungsbestand der Kirche, Die Altäre sind mit Reliquien der Ursulinenschwestern geschmückt.
Auf dem linken Seitenaltar steht eine Statue von Pankratius. Er wird als Schutzpatron der Jäger verehrt. Warum dieser Heilige, der in Belgien sehr verehrt wird, seinen Weg zu St. Martin Magden gefunden hat, ist nicht bekannt.
Auf dem Altargemälde aus der Barockzeit ist Martin als Bischof abgebildet. Er gibt darauf einem Bettler nicht ein Stück seines Mantels, sondern ein Goldstück. Ein solches Bild von Martin entspricht anscheinend einer alten Tradition. Ein ähnliches Bild befindet sich auch in Colmar. Haben Beziehungen zwischen Magden und Colmar bestanden?
Ein Kleinod ist die hölzerne Mariastatue aus dem 16. Jahrhundert auf dem rechten Seitenaltar. Wie gesagt stammt diese Maria noch aus der alten Kirche. Vom Kanton wurde sie als eine wertvolle historische Plastik eingestuft. Sie war im Sommer 1959 als Leihgabe bei der Ausstellung „Gotische Plastik des Aargaus“ im Schloss Lenzburg und wurde anschliessend mit Unterstützung des Kantons restauriert.
Eine Mariastatue aus der Barockzeit, die für die Prozessionen gebraucht wurde, ist im Auftrag von Pfr. Peter Hagmann restauriert worden und hat jetzt einen geeigneten Platz im Chor gefunden. Was mit dieser Maria auf einer Prozession passiert ist, wird in verschiedenen Varianten von den alten Magdenern erzählt. Es wird erzählt, dass Maria aus Wut über die Obrigkeit in den Bach geworfen worden sei. Andere behaupten, dass die Träger sie nicht mehr tragen konnten und sie in den Bach gefallen sei, jedoch auf wunderbare Weise gerettet wurde. Wieder andere wollten ohne sie an der Pozession teilnehmen und sagten, wer mitlaufen kann, soll mitlaufen. Schadenspuren vom Wasser wurde bei der Restaurierung gefunden.
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Der Denkmalpfleger, Herr Felder war mit Unterstützung von Herr K. Kaufmann der Meinung, die Schiffsempore zu erhalten. In seinem Schreiben vom 20. Mai 1969 beruft er sich auf den Augenschein vom 22. März 1968 und betont, dass die Denkmalpflege ausdrücklich für die Erhaltung der Schiffsempore plädiert hat. Die doppelgeschossige Anlage ist in ihrer Art einmalig, ein ausgesprochenes Unikum. Daneben verdient sie als tüchtige Zimmermannsarbeit erhalten zu werden. In diesem Zusammenhang wurde auch daran erinnert, dass sich die Denkmalpflege für die Wiederverwendung des bestehenden Orgelhauses ausgesprochen hat. Die Expertise von Herrn W..Endner, Kappel a. A von 13. März 1968 erhärtet diese Ansicht. Er hat den Nachweis erbracht, dass sich die Orgel auf der Schiffsempore besser gestalten und zweckmässiger platzieren lässt als bis anhin. Bund und Kanton haben diese Anlage subventioniert.
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Taufstein und Weihwasserbecken
Aus der alten Kirche ist uns ein alter Taufstein aus dem 15. Jahrhundert bewahrt geblieben, der als Weihwasserbecken für den Wassersegen benützt wird.
Er wurde 1994 renoviert. Der jetzige Taufstein aus dem 18. Jahrhundert wurde bei der Renovation aus dem vorderen Teil des Schiffes weggenommen und seitwärts vor dem Mariaaltar platziert.
Kanzel
Die barocke Kanzel ist ein Schmuckstück aus der Barockzeit und passt sehr gut zu den anderen Kultgegenständen. Die Platzierung im Schiff, vom Priesterchor aus rechts auf der Evangelienseite, will die Bedeutung der Verkündigung des Wortes Gottes unterstützen. In der Feier der Eucharistie ist die Verkündigung und Auslegung des Evangeliums Jesu Christi ein wesentlicher Bestandteil. Die Botschaft muss unter das Volk gebracht werden. Alle dürfen daran teilhaben. Es ist nicht nur ein Privileg der Geistlichkeit.
Utusilien und Paramenten
Sehr wertvoll sind die Kelche, Ziborium, das Prozessionskreuz, die augsburgische Monstranz und ein weisses Messgewand aus dem 18. Jahrhundert. Im Laufe der Zeit ist vieles verloren gegangen. Jede Zeit hat ein anderes Gefühl und Verständnis für Wert und Bedeutung der Kultusgegenstände. Nach dem Geschmack der Zeit wurde ersetzt, altes verschenkt oder sogar weggeworfen und neues benützt, wie auch alte Bauwerke abgebrochen und neues gebaut wurde. Trotzdem ist nicht einfach alles verschwunden. Respekt vor der Heiligkeit der Kultusgegenstände hat dazu beigetragen, dass einiges bis in unsere Zeit überliefert wurde und die Launen des Mode- und Stilgefühls der verschiedenen Jahrhunderte überlebte. Vom Inventar, das auf einer alten Inventarliste aus dem Jahre 1630 im Taufbuch aufgeführt wird, ist nur noch sehr wenig vorhanden und es werden andere Utusilien und Paramenten erwähnt. Diese Inventarliste wurde gemacht, da die liturgischen Gegenstände in die Eidgenossenschaft gebracht und in Solothurn aufbewahrt wurde, damit diese nicht in die Hände der Schweden fielen. Die Saekularisierung unserer Zeit bringt leider auch mit sich, dass das Gefühl für Wert, Sinn und Bedeutung der liturgischen Gegenstände und Bücher ausgehöhlt wird. Die Religiösität und Spiritualität gehört jedoch zum Wesen des Menschen. Er ist auf das Transzendente ausgerichtet und die Frage nach dem Geheimnis Gottes wird ihn immer wieder beschäftigen. In jeder Zeit wird dies seine Kreativität anregen und Ausdruck finden in Kultusgegenständen.
Es muss in diesem Zusammenhang erwähnt werden, dass Tauf-, Trauungs- und Sterberegister von den Pfarrherren seit 1612 treu geführt und aufbewahrt wurden. Dem entspricht ein Auftrag des Konzils von Trient (Tridentinum), die Pfarrbücher korrekt zu führen. Es fehlen nur die eidgenössischen Register, da die Revision der Bundesverfassung 1874 Anlass war, die Pfarrherren zu bitten, ihre Bücher herauszugeben, damit die Zivilstandsämter besser ausgebaut werden konnten. Es waren damals die zuverlässigsten Angaben. In Magden hat der letzte romtreue Pfarrer, Friedrich Gilg die eidgenössischen Bücher gemäss Anfrage dem Zivilstandsamt übergeben, jedoch nicht die alten oestereichischen Bücher. Als Ersatz für die eidgenössischen Bücher hat er in Kleinarbeit ein
Familienregister erstellt, Stand 1874, rückgehend bis ins 18. Jahrhundert, das für die alten Magdener natürlich sehr wertvoll ist.