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Bonner Unionskonferenzen
Die Bonner Unionskonferenzen von 1874 und 1875 versammeln auf Initiative Ignaz von Döllingers erstmals Altkatholiken, Anglikaner und Orthodoxe als Dialogpartner sowie protestantische Gäste. Erstmals in der Geschichte der getrennten Christenheit fanden dabei Vertreter der verschiedenen Kirchen aus Ost und West zusammen.
Seit diesen Konferenzen bestehen Kontakte mit den befreundeten romfreien katholischen Kirchen in West und Ost.
Dialoge wurden oder werden mit folgenden Kirchen geführt:
Die anglikanischen Kirchen brachten dem altkatholischen Widerstand gegen die Dogmen des ersten Vatikanischen Konzils seit Beginn Sympathie entgegen, was zu mehreren diesbezüglichen Erklärungen der Anglikaner führte.
Seit den Bonner Konferenzen wurden Dialoggespräche geführt, welche 1931 zum Bonn Agreement (Abkommen von Bonn) führten, das die volle kirchliche Gemeinschaft zwischen den altkatholischen Kirchen der Utrechter Union und der anglikanischen Kirchengemeinschaft feststellte.
Der Pflege und Vertiefung der Kontakte und der praktischen Zusammenarbeit zwischen Anglikanern und Altkatholiken dient der Anglican-Old Catholic International Co-ordinating Council, dessen Mitglieder von der Altkatholischen Bischofskonferenz und vom Erzbischof von Canterbury ernannt werden und die Willibrord-Gesellschaft.
Die Altkatholischen Kirchen entsenden Vertreter zu den Lambeth-Konferenzen (höchstes Gremium der Anglikanischen Gemeinschaft) und die Anglikaner zu den Sitzungen der Internationalen Altkatholischen Bischofskonferenz.
Siehe auch Kirchen in voller Gemeinschaft.
Die Altkatholiken legten bereits zu Beginn ihrer Selbständigkeit grosses Gewicht auf die Beziehungen mit den Orthodoxen Kirchen und bemühten sich um Wiedervereinigung mit ihnen.
Der Dialog mit den Orthodoxen kann nicht hoch genug geschätzt werden, wichtige Impulse altkirchlicher Theologie und Ekklesiologie wurden durch ihn bestärkt.
Über viele Jahrzente genossen die Orthodoxen in christkatholischen Kirchen Gastrecht und der erste orthodoxe Priester in der Schweiz wurde in einer christkatholischer Kirche geweiht.
Nach dem Dialog mit den orthodoxen Kirchen schon im letzten Jahrhundert (Rotterdamer und Petersburger Kommission), konnte gegen Ende der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts der offizielle Dialog zwischen beiden Kirchengemeinschaften auf Weltebene aufgenommen werden, welcher 1987 abgeschlossen wurde - Abschlussdokument: Urs von Arx (Hrsg.): Koinonia auf altkirchlicher Basis; Bern 1989. Im Abschlusstext wurde weitestgehende Übereinstimmung in allen wesentlichen Lehren des Christentums erklärt.
Zu einer praktischen kam es hingegen nicht. Verdunkelt wurden die altkatholisch-orthodoxen Beziehungen durch die Einführung der Frauenordination, welche die Orthodoxen ablehnen, in den westeuropäischen altkatholischen Kirchen. Auf massive Kritik stiess auch die Gegenseitige Einladung zum Abendmahl zwischen der deutschen altkatholischen Kirche und der Evangelischen Kirche in Deutschland, sowie Fragen der kirchlichen Disziplin in den Kirchen der Utrechter Union und andere aus kulturellen Gründen unterschiedlich gesehenen Fragen.
Zwischen den altkatholischen Kirchen der Utrechter Union und der römisch-katholischen Kirche haben sich seit dem zweiten Vatikanischen Konzil gute zwischenkirchliche Beziehungen entwickelt. In einzelnen Ländern wurde (Schweiz, Niederlande) und wird auf nationaler Ebene (Polen) ein offizieller Dialog geführt.
In der Schweiz führten die Gespräche 1972 zur Verabschiedung der "Zürcher Nota", welche aber vom Vatikan nicht ratifiziert wurde.
Bei den Begegnungen und Beratungen anlässlich des grossen Jubiläumsjahres 2000 in Rom wurde die Möglichkeit eines internationalen Dialogs erörtert.
Auf Empfehlung einer Vorbereitungsgruppe bildeten die Internationale Altkatholische Bischofskonferenz der Utrechter Union und der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen eine internationale Dialogkommission, die zum ersten Mal im Mai 2004 in Bern auf Einladung der christkatholischen Kirche der Schweiz zusammentrat und sich seither halbjährlich zu Arbeitssitzungen traf.
Die Kommission schloss ihre Arbeit nach 11 Sitzungen im Jahr 2009 ab und veröffentlichte ihre gemeinsamen Ergebnisse in Buchform unter dem Titel "Kirche und Kirchengemeinschaft" (kann beim Medien-Shop erworben werden). Es wurden bedeutende Annäherungen festgestellt, aber auch verbleibende Unterschiede genannt.
Der Text liegt nun den Kirchenleitungen beider Kirchen zur Beurteilung vor.
Mit der lutherischen Schwedischen Kirche (Svenska kyrkan) wurde 2005 auf internationaler Ebene ein erstes Gespräch zur Vorbereitung eines möglichen Dialogs geführt. Die Schwedische Kirche war bis ins Jahr 2000 offizielle Staatskirche Schwedens, noch heute gehört ihr die Mehrheit der Bevölkerung an.
Die Kirche von Schweden vertritt eine stark katholische Theologie, hat nach eigener Angabe die apostolische Sukzession (in Form von Priester- und Bischofsamt) bewahrt und ist mit anderen den altkatholischen Kirchen nahe stehenden Kirchen verbunden (Porvoo-Gemeinschaft). Höchster Vertreter der Kirche ist der Erzbischof von Uppsala.
Das Gespräch und die dabei herausgearbeiteten Themen haben ergeben, dass sich ein Dialog zwischen den beiden Kirchen lohnen würde. Die internationale Altkatholische Bischofskonferenz und die Kirche von Schweden haben 2006 eine offizielle Dialogkommission beauftragt, die ihre Arbeit bereits aufgenommen hat.
Für die weiteren Gespräche zwischen der Schwedischen Kirche und der Utrechter Union dient das Porvoo-Agreement als Grundlage.
Die Mar Thoma Church (offiziell: Malankara Mar Thoma Syrian Church) ist eine ehemals altorientalische Kirche in Indien, die durch anglikanische Theologie beeinflusst Reformen einführte und sich so von ihrer Mutterkirche abspaltete. Sie steht in apostolischer Sukzession wird episkopal-synodal geleitet. Der Metropolit und die Bischöfe werden gewählt.
Die Kirche hat 1 Million Mitglieder, vorwiegend in Indien, und steht wie die Altkatholiken mit den anglikanischen Kirchen in voller Gemeinschaft. Somit besteht Interesse zu einem Dialog mit dieser Kirche.
Der Besuch einer Altkatholischen Delegation bei der Mar Thoma Church ist erfreulich verlaufen. Die Bischofskonferenz wird für die nächste Zukunft einen weiteren Ausbau der Kontakte planen. Im Vorfeld des Altkatholikenkongresses 2010 in Zürich fand unter anderem ein Bischofstreffen statt. Ein Bischof der Mar Thoma Church war auch beim Kongress selbst als Gast anwesend.
Die Altkatholische Kirche der Mariaviten war seit 1909 Mitglied der Utrechter Union, wurde aber bereits 1924 wegen thelogischen Differenzen und mariavitischer, von der Union nicht geduldeter Sonderentwicklungen wieder ausgeschlossen.
1935 führten diese Entwicklungen zur Abspaltung einer Minderheit, der "Katholischen Mariaviten", die an den Eigenlehren festhielten, von der Mutterkirche, welche diese durch Synodenbeschluss abschaffte und den damaligen Leitenden Bischof absetzte.
Heute hat die Altkatholische Mariaviten-Kirche ca. 25'000 Mitglieder in Polen und 5'000 in Frankreich, ist Mitglied des Weltkirchenrates, der Konferenz Europäischer Kirchen und des Polnischen Kirchenrates und stark ökumenisch engagiert.
Zur Zeit führen die Utrechter Union und die Altkatholische Kirche der Mariaviten Gespräche für eine Wiederaufnahme in die Union. Schwierigkeiten ergeben sich insbesondere in der Abneigung der Polnisch-Katholischen Kirche (Utrechter Union) und der Altkatholischen Mariaviten gegen eine Fusion, die gemäss altkatholischer Ekklesiologie unumgänglich ist, da an in einem Land nur eine altkatholische Kirche existieren kann (Ortskirchenprinzip).
Der Leitende Bischof der Mariaviten nimmt daher ab 2010 für 5 Jahre als Gast an den Sitzungen der Internationalen Altkatholischen Bischofskonferenz teil. Während diesen fünf Jahren sollen vorhandene theologische und ekklesiologische Fragen geklärt werden, um dann die Frage nach einer Wiederaufnahme definitiv beantworten zu können.
Anmerkung: Neben dieser Kirche und der erwähnten Abspaltung gibt es insbesondere in Deutschland Einzelpersonen und Gruppierungen, die sich Mariaviten nennen, aber mit der Altkatholischen Kirche der Mariaviten in keinerlei Verbindung stehen und von ihr auch nicht anerkannt werden.
Infos über die Altkatholische Kirche der Mariaviten
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