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Christkatholische Jugend der Schweiz
Christkatholische Jugendarbeit: Engagement mit Herzblut
Jugend und Kirche – geht das zusammen?
Die Christkatholische Jugend der Schweiz ist zahlenmässig eine relativ kleine Gruppe, aber sie besteht aus ganz engagierten Jugendlichen. Wohl sind sie nicht immer in der Kirche zu sehen, aber wo sie auftreten, tun sie es mit Überzeugung. Wichtig ist dabei, dass sie sich als volle Mitglieder der Kirche angenommen fühlen.
Erfolgreiche Jugendarbeit muss wohl in der christkatholischen Kirche eine sehr schwer zu erreichende Sache sein: Gemäss Klaus Wloemers Bericht im Kirchenblatt 7/2005 über eine Umfrage zur Religion der Schweizer/-innen schneiden wir Christkatholiken betreffend der Zahl der zugehörigen Jugendlichen ganz schlecht ab: Nur 17.5% der Chriskatholiken seien unter 20, und „die Christkatholische Kirche ist von der Überalterung der Mitgliederstruktur am stärksten betroffen“. Welche düsteren Aussichten für die Zukunft der Kirche!
Doch lassen Sie sich bitte nicht durch nackte Zahlen verwirren: Was die Statistik nicht berücksichtigt, ist die Qualität und das Engagement in der Jugendarbeit und die Stunden freiwilliger, aus Überzeugung und Freude an der Sache geleistete Arbeit. Zwar mögen die Zahlen stimmen, die bei der Volkszählung zusammengetragen wurden, doch damit ist die Geschichte über die Jugend noch nicht zu Ende erzählt. Wer sich in der Christkatholischen Jugend engagiert, ist meist mit Herzblut dabei und setzt sich ein sich wo er kann oder macht wenigstens an den angebotenen Jugendanlässen mit. Ich behaupte, dass man trotz der verhältnismässig wenigen Jugendlichen in der christkatholischen Kirche hier viel eher einen Menschen unter 25 Jahren in einem Gottesdienst antreffen wird als in einer der anderen Landeskirchen. Was für die Christkatholische Kirche gilt, stimmt auch für ihre Jugendorganisation: Klein, aber fein.
Stimme für die Jugend
Obwohl die CKJS rechtlich unabhängig von ihrer Kirche ist, werden dem Jugendverband immer wieder Möglichkeiten geboten, sich aktiv an ihrem Geschehen zu beteiligen. Ein Beispiel sei der Jugendgottesdienst, der kürzlich in Bern stattgefunden hat. Zum Thema „sWing and emotion“ haben sich Jugendliche mit einem Geistlichen zusammengesetzt und einen modernen, „fetzigen“ Gottesdienst gestaltet. Auch die Singanlässe des Jugendchors „sWinging Chrikas“ bringen junge Leute in die Kirche. Damit markieren die Jungen nicht bloss ihre Präsenz - Auftritte im Rahmen eines Gottesdienstes bedeuten für die Sänger auch, dass sie in ihrer Kirche erwünscht sind, ja sogar gebraucht werden.
Natürlich übt ein von und für Jugendliche kreierter Anlass eine viel grössere Anziehungskraft auf junge Menschen in der Kirche aus als ein üblicher Gottesdienst am Sonntagmorgen. Sehr wichtig ist jedoch auch das Wissen, dass man als Jugendlicher als volles Mitglied der Gemeinde erwünscht ist. Jugendliche kommen dann vermehrt in den Gottesdienst, wenn ihnen bewusst ist, dass ihre Stimme gehört und akzeptiert wird. Das ist dann der Fall, wenn die sWinging Chrikas zum Singen angefragt werden oder ein Pfarrer plant, mit seiner Gemeinde einen jugendlichen Gottesdienst zu feiern.
Zur Zusammenarbeit zwischen der Kirche und ihrer Jugend gehören jedoch immer mehrere Seiten. Während das Interesse von Jugendlichen an Gottesdiensten dank einer lässigen Gestaltung und der Behandlung „jugendlicher“ Themen oft recht hoch ist, ist es sehr schwierig, Junge zu finden, die sich beispielsweise an der nationalen Synode engagieren möchten. Auf den ersten Blick scheint das auch klar – wer will schon stundenlang an einer Veranstaltung sitzen die einen nichts angeht, nur um kurz das Traktandum „Jugend“ zu hören, das einen betrifft! Doch das kann natürlich nicht die richtige Einstellung sein, wenn die Jugend mit der Kirche zusammenarbeiten soll. Zur erfolgreichen Zusammenarbeit gehört gegenseitiges Interesse – auch an Themen, die vielleicht nicht direkt mit dem eigenen Verband zu tun haben. Es soll den Jugendlichen auch wichtig sein, was ihre Kirche in Zusammenhang mit Frauenordination, Kontakt zu anderen Konfessionen, Homosexualität und vielleicht sogar Finanzen so alles anstellt. Im gleichen Atemzug sollen die Vertreter der Kirche Interesse am Geschehen in der Jugend zeigen.
Ein Zeichen von diesem Interesse ist zum Beispiel die Diskussionsrunde, die im nächsten Herbst geplant ist: Jugendliche und der Bischof sollen zu einem (noch nicht ausgewählten) Thema ihre Gedanken und Anliegen austauschen. Der Anlass wird beiden Parteien die Möglichkeit bieten, ihre Stimme verständlich zu machen und einen weiteren Stein im gemeinsamen Mosaik ihrer Kirche zu setzen.
Die verflixten Zahlen
Leider liegt trotz allem Engagement und Herzblut doch ein kleines Stück Wahrheit in der schlechten Statistik. Besonders schwierig ist es momentan, die Begeisterung der „Teenies“ zu gewinnen, und so wird die bereits bestehende christkatholische „Jugend“ immer älter. Es ist ein schwieriges und zeitaufwendiges Unterfangen, die einst eifrigen Chri-So-La-Kinder in Jugendgruppen einzubinden oder für Skilager zu begeistern.
Zweifellos muss der Jugendverband, ähnlich wie die Kirche mit den Jugendlichen, an ihren Interessen „andocken“ und zeigen, dass Kirche mit ihnen persönlich etwas zu schaffen hat. Themen wie Berufswahl, Partnerschaft oder die eigene Identität sollen offen angesprochen werden; aber auch gemeinsam Spass haben, etwa in einem Lager, hilft beim zusammenschweissen einer Gemeinschaft - einer Kirche. Jugendliche, die sich von der christkatholischen Kirche und der CKJS ernst genommen fühlen, werden so früher oder später überzeugt auf ihre Kirche zurückgreifen, weil sie diese als hervorragende Grundlage zur gründlichen Auseinandersetzung mit dem Leben in allen Sparten erkannt haben.
Junge Theologen?
Leider zeigt sich das ungemütliche Ergebnis der Statistik auch in der Zahl angehenden Pfarrer/-innen und Diakon/-innen. Kaum ein junger Mensch schlägt den Weg des christkatholischen Theologen ein. Keine Lust, die berüchtigten alten Sprachen zu lernen oder am Sonntag arbeiten zu müssen, Angst sich trotz offenen Fragen und Unsicherheiten an eine Glaubensrichtung zu binden oder schlicht Hemmungen, sich gegenüber einer ganzen Gemeinde zum Glauben zu bekennen könnten alles Faktoren sein für die Nachwuchsflaute an der Christkatholischen Fakultät.
Aus verschiedenen Diskussionen mit Jugendlichen weiss ich jedoch, dass das Interesse an Theologie grundsätzlich da ist. Der Wille, die vielen Bedeutungen der Bibel und die Meinungen der Religionswissenschaft zu erkunden, ist bei sehr vielen jungen Menschen vorhanden. Sie haben aber keine vollständige, brauchbare Vorstellung vom der Beruf des Pfarrers – oft ist die einzig sichtbare Tätigkeit des Pfarrers für einen Jugendlichen die Leitung des sonntäglichen Gottesdienstes. So kommt es, dass sich junge Menschen aufgrund dieser einseitigen Vorstellung dann doch für einen anderen Beruf entscheiden.
Auch in diesem Zusammenhang bin ich überzeugt, dass gegenseitige Information und Interesse zwischen Kirche und Jugendverband eine Menge ändern können. Jugendliche wollen bei ihrer Berufsfindung über den Beruf des Pfarrers oder des Diakonen möglichst viel erfahren, genau wie bei anderen Berufen. Es soll der Kirche also ein Anliegen sein, diese Information möglichst umfassend an interessierte Jugendliche weiterzugeben!
Zukunft
Mit dem kommenden Treffen zwischen dem Bischof und Mitgliedern der CKJS ist bereits ein erster Stein auf dem gemeinsamen Weg zwischen Kirche und Jugendverband gelegt. Der Schritt ist nicht zuletzt auch wichtig, weil er eine Auseinandersetzung mit der Zukunft bedeutet. Für mich gehört er in den stetig laufenden Prozess der Erneuerung der Kirche – neue Meinungen, kritische und konstruktive Stimmen sollen auch von Jugendlichen kommen dürfen.
Uns Jugendlichen ist es wichtig, als die Zukunft der Kirche beachtet zu werden. Dass wir nur wenige sind, sollte niemand stören. Was viel mehr zählt, ist der beherzte Einsatz für seine Kirche. Wenn wir offen zeigen können, wie viel uns ihre Gemeinschaft bedeutet und wie viel es uns Wert ist, gemeinsam Dialog zu pflegen, Meinungen auszutauschen und ganz einfach für unser Dasein in Frieden miteinander zu danken, wird die Kirche selbständig wachsen und gedeihen.
Patricia Darlington
Patricia Darlington, 20 Jahre, ist Präsidentin der Christkatholischen Jugend und war einige Zeit auch im Jugendheft „réveil“ journalistisch tätig. Sie reist gerne, liest viel und fährt Velo und Snowboard. Sie studiert in Freiburg.
Siehe auch: http://www.christkath.ch/jugend/
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