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Christkatholische Kirche der Schweiz Wer sind wir?
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Was ist Christkatholisch?
 
  • Die Christkatholische Kirche versteht ihren Auftrag in der lebendigen Weitergabe der Heilsbotschaft unter den jeweiligen Zeitbedingungen. Enge Beziehungen pflegt sie zu den orthodoxen Kirchen und zur Anglikanischen Kirche.
  • Das dreistufige geistliche Amt von Bischof, Priester und Diakon steht Männern und Frauen offen. Die Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern ist nach eingehender Diskussion von der Christkatholischen Kirche bejaht worden. So arbeiten in der Seelsorge sowohl Diakoninnen als auch Priesterinnen mit ihren männlichen Kollegen zusammen.
  • Eine verpflichtende Verbindung von Weihe und Zölibat gibt es nicht.
  • Die modernen Mariendogmen (Unbefleckte Empfängnis, Leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel) werden in ihrer Engführung abgelehnt.
  • Päpstliche Unfehlbarkeit und das unbeschränkte Richteramt des Papstes werden nicht akzeptiert.
  • Die christkatholische Kirche ist eine katholische Kirche mit bischöflich - synodaler Struktur. Das heisst: Bischof, Geistlichkeit und dazu delegierte Mitglieder aus den Gemeinden bilden die Synode. Diese setzt sich immer neu mit dem überkommenen Glaubensgut der Kirche auseinander und wählt auch den Bischof.
  • Männer und Frauen sind auf allen Ebenen kirchlichen Lebens gleichberechtigt - und damit auch gleichermassen gefordert.
  • Zentrum des Gemeindelebens ist die Feier der Eucharistie in der jeweiligen Landessprache.
    Weitere Sakramente sind: Taufe, Firmung, Ehe (auch für Geistliche), Busse, Krankensalbung und Priesterweihe.
 
Die Christkatholische Kirche der Schweiz
 

Entstehung

Die Christkatholische Kirche der Schweiz ist die dritte Landeskirche und wird in den meisten Kantonen wie die Römisch-katholische und die Reformierte Kirche anerkannt. Sie versteht sich aufgrund ihrer Geschichte als Alternative zum hierarchisch strukturierten, nach Rom ausgerichteten Katholizismus. Sie entstand aus dem Protest liberaler Katholiken gegen die vom ersten vatikanischen Konzil 1870 verkündeten Dogmen der päpstlichen Unfehlbarkeit und der vollen Rechtsgewalt des Papstes über die ganze Kirche. Diese wurden als Neuerungen gegenüber dem überlieferten Glauben abgelehnt.

 
Die Kirchwerdung war stark verbunden mit den Auseinandersetzungen der Kulturkampfzeit, den die Verkündigung der neuen Dogmen mitten in der Entwicklung Europas zu Nationalstaaten hatte auch eine politische Dimension. Dies äusserte sich besonders in Befürchtungen, welche die Auswirkungen der beiden Glaubenssätze auf das öffentliche Leben und das Verhältnis von Kirche und Staat betrafen.
Aufgrund ihres Widerstandes wurden die Opponenten exkommuniziert. Sie sahen sich ab 1872 gezwungen, eine eigene kirchliche Organisation zu schaffen, welche den Weiterbestand katholischen Kircheseins im vorvatikanischen Sinn sicher sollte.
1875 fand in Olten die erste Synode statt. Dabei wurde die Kirchenverfassung, Reglemente über eine Geschäftsführung der Synode und des Synodalrates, sowie eine Ordnung über die Bischofswahl angenommen. Diese Wahl bildete ein Jahr später den Abschluss der Kirchwerdung: der Theologe Eduard Herzog wurde zum ersten Bischof der christkatholischen Kirche gewählt und in Anwesenheit der Abgeordneten der Kantonsregierungen von Bern, Genf, Solothurn und Aargau auf die Verfassung vereidigt.
Mit der Schaffung einer eigenen Kirchenstruktur wurden auch weitgehende Reformen durchgeführt. Die Beichte wurde der freien Entscheidung der Gläubigen überlassen und dafür eine allgemeine Bussandacht zu Beginn des Gottesdienstes eingeführt. Auch wurde die Landessprache bei der Messfeier eingeführt und der Kommunionempfang unter beiden Gestalten (Brot und Wein) ausdrücklich erlaubt. Der Zölibatszwang für Priester wurde aufgehoben.
 
Bischöflich-synodale Struktur
Verfassung und Struktur sind wesentlich von ‚unten nach oben’ aufgebaut. Die jährliche Nationalsynode ist das oberste gesetzgebende und entscheidende Organ der Kirche und besteht aus den Geistlichen und den durch die Gemeinden gewählten Laienabgeordneten. Neben der Behandlung von Finanz- und Verwaltungsfragen ist sie für die Bewahrung der Einheit des kirchlichen Lebens zuständig und stellt allgemeine Grundsätze über Kultur und Disziplin auf. In Fragen des Glaubens kann die Synode nach einem besonderen, sich über längere Zeit hinziehenden Verfahren, welches verhindert, dass ein blosser Mehrheitsbeschluss den Ausschlag gibt, Entscheidungen fällen. Präsidiert wird sie abwechseln von einem Mitglied der Geistlichkeit oder einem Laien.
Die vorberatende, vollziehende und verwaltende Behörde ist der Synodalrat, dessen Mitglieder von der Synode gewählt werden. Er besteht aus vier Geistlichen und fünf Laien. Präsidiert wird er immer von einem Laien. Beschlüsse werden von Bischof und Synodalrat gemeinsam gefasst.
Der Bischof wird von der Synode gewählt. Gemäss dem überlieferten katholischen Verständnis kommt ihm die bischöfliche Lehr- und Weihegewalt zu. Die Disziplinargewalt teilt er mit Synode und Synodalrat.
 
Utrechter Union der Altkatholischen Kirchen
Die Zusammenarbeit mit den anderen aus der Protestbewegung gegen das 1. Vatikanum entstandenen altkatholischen (in der Schweiz: christkatholisch) Kirchen in Europa war von Anfang an sehr eng. Schnell suchte man auch Kontakt zu einer ebenfalls romunabängigen katholischen Kirche in den Niederlanden, die bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Rom ins Schisma gedrängt worden war. 1889 schlossen sich der deutsche und der schweizerische Bischof mit den altkatholischen Bischöfen in den Niederlanden(d.i. der ursprüngliche Utrechter Erzbischofssitz, sowie die Bischofssitze von Haarlem und Deventer) zur Utrechter Union zusammen. Ihr verbindendes Organ ist die jährlich tagende Internationale Altkatholische Bischofskonferenz (IBK), die jedoch keinerlei jurisdiktionelle Befugnisse hat. Sie wird vom Erzbischof von Utrecht präsidiert und hat die Aufgabe die Einheit der Altkatholischen Kirchen zu bewahren und die Beziehungen mit anderen Kirchen zu koordinieren. Die Utrechter Union ist eine Gemeinschaft von Bischöfen, deren Kirchen dadurch miteinander in voller kirchlicher Gemeinschaft stehen. Zur Utrechter Union gehören heute die Altkatholischen Kirchen der Niederlande, Deutschlands, Österreichs, Tschechiens, Polens und der Schweiz (Christkatholische Kirche).
Die Altkatholischen Kirchen sind Kirchen katholischer Tradition mit bischöflich-synodalen Strukturen. Sie teilen das Verständnis der sieben Sakramente mit den anderen Kirchen katholischer und orthodoxer Tradition. Der Gottesdienst ist nach Form und Inhalt eine Messfeier, die aus den Teilen Wortgottesdienst und Eucharistiefeier besteht. Die Eucharistie (Abendmahl) gilt als kultische Darstellung und reale Vergegenwärtigung des ein für allemal dargebrachten Kreuzesopfers Christi und gilt als geheiligtes Opfermahl.
Die Geschichte der kirchlichen und theologischen Entwicklung der christkatholischen Kirche kann nicht unabhängig von den anderen altkatholischen Kirchen betrachtet werden. In der jüngsten Vergangenheit war sie vor allem geprägt durch die kontroverse Diskussion um die Öffnung des priesterlichen Amtes für Frauen. Seit Juli 1997 liegt die Verantwortung für die Einführung der Frauenordination bei den einzelnen Altkatholischen Kirchen. Die christkatholische Kirche hat die Ordination für Frauen durch die entsprechende Änderung ihrer Verfassung 1999 ermöglicht. Die erste Frau wurde am 19. Februar 2000 geweiht. Heute haben alle mitteleuropäischen Kirchen (NL, D, A, CH) geweihte Priesterinnen im Dienst.
 
Ökumene
Die Vereinigung der getrennten Kirchen war von Anfang an ein wichtiges Anliegen der christkatholischen Kirche. Bischof Eduard Herzog war ein Ökumeniker der ersten Stunde. Er initiierte schon früh Unionsverhandlungen mit den Orthodoxen und den Anglikanischen Kirchen und wurde damit einer der Pioniere der heutigen Ökumene. Der Dialog mit den Anglikanern wurde 1931 mit der Feststellung der vollen Kirchengemeinschaft abgeschlossen. Der Dialog mit den Orthodoxen Kirchen war lange Zeit durch die politischen Umstände unterbrochen. Die theologischen Gespräche wurden erst 1987 abgeschlossen, sind aber noch nicht von den Kirchen rezipiert. Auf internationaler Ebene führen die Altkatholischen Kirchen seit 2004 wieder einen offiziellen Dialog mit der Römisch-katholischen Kirche. Gespräche mit der Lutherischen Kirche von Schweden sind für die nächste Zukunft geplant.
Zusammen mit den anderen altkatholischen Kirchen ist die christkatholische Kirche Gründungsmitglied des Weltkirchenrates. Sie ist Mitglied der Konferenz Europäischer Kirchen. In der Schweiz beteiligt sie sich aktiv in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen.
 
Heutige Situation
Die Christkatholische Kirche zählt in der ganzen Schweiz rund 14'000 Mitglieder, welche zum Teil in einer weitläufigen Diaspora wohnen. Die grossen Distanzen erweisen sich oft als Problem für die Betreuung der Gemeinden, für regelmässige Gottesdienste, Besuche und Unterricht.
Durch ihre Kleinheit erwachsen der Kirche sowohl Vor- als auch Nachteile. Einerseits stellt sich die Geborgenheit einer fast schon familiären Gemeinschaft ein, andererseits kämpfen die meisten Gemeinden deshalb ganz besonders mit der Kirchenmüdigkeit, welche ja auch bei den anderen Konfessionen spürbar ist. Es gibt zwar immer mehr hilfsbedürftige Menschen, aber immer weniger solche, die Hilfe leisten können oder wollen. Trotzdem versucht man mit einem vielfältigen Angebot die Menschen wieder für das Evangelium und die Kirche zu gewinnen.
Viele Gemeinden stehen auch in finanzieller Hinsicht vor ernsthaften Problemen. Infrastruktur und Gehaltszahlungen, sowie die Unterhalts- und Renovationskosten von alten und kulturell wertvollen Kirchengebäuden belasten vor allem kleinere Gemeinden. Die Christkatholische Kirche versucht diese Probleme anzugehen, in dem sie wo immer möglich auf intensive regionale Zusammenarbeit setzt, die von Geistlichen und Gemeinden ein Umdenken verlangt. Die Regel ist nicht mehr das Einmann-Pfarramt, sondern die Teamarbeit.
Als kleine Kirche haben es die Christkatholiken zwar nicht immer leicht, sie verstehen sich aber trotzdem als wichtige Bereicherung im Zusammenspiel der Konfessionen. Als katholische Kirche eine Alternative zum römischen Modell aufzuzeigen, ist und bleibt ihnen ein Anliegen.

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