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Segnung Homosexueller Paare
An der Nationalsynodesession 2006 der Christkatholischen Kirche der Schweiz haben die Synodalen auch den Schlussbericht der Kommission ‚Kirche und Homosexualität’ verabschiedet. Im Bericht macht die Kommission deutlich, dass es ihr primäres Ziel ist, eine pastorale Verantwortung gegenüber gleichgeschlechtlich empfindenden Menschen wahrzunehmen. Sie tut dies ‚im Wissen um die Spannung zwischen der Tradition der Kirche und neuen humanwissenschaftlichen Einsichten wie auch um die drohende Gefahr einer ökumenischen Isolierung. Ganz deutlich betonte die Kommission die Besonderheit der Ehe zwischen Mann und Frau, da diese schöpfungstheologisch auf die Lebensweitergabe hin angelegt ist und somit den Schöpfungswillen Gottes am deutlichsten verwirklicht. Der von der Kommission zur Erprobung vorgelegte Segensritus für gleichgeschlechtliche Paare besteht denn auch aus einem Segensgebet, das keine Ähnlichkeit mit der traditionellen kirchlichen Eheschliessung hat und einen anderen Platz im Gottesdienst einnimmt.
Medienbericht zu diesem Thema / Synode
Drängende Fragen Das Thema Homosexualität drängt sich den Kirchen immer mehr auf. Die Kirchen kommen - wie aktuelle Beispiele zeigen - nicht mehr darum herum, sich mit gleichgeschlechtlich veranlagten Menschen und deren Leben zu befassen.
Das neue Dokument der römischen Glaubenskongregation gegen die rechtliche Anerkennung homosexueller Partnerschaften und die Kontroverse um die Wahl von Canon Gene Robinson, der sich offen zu seiner homosexuellen Lebensweise bekennt, zum Bischof der Episcopal Church (Teil der Anglikanischen Kirchengemeinschaft) in der Diözese von New Hampshire (USA), manifestieren Verunsicherung und Angst breiter kirchlicher Kreise verschiedener Konfessionen. Dazu kommen psychologische Elemente in dem Sinn, dass in vielen Menschen Emotionen und oft fragwürdige Moralvorstellungen geweckt werden, die eine offene, faire und menschenwürdige Diskussion erschweren oder gar verunmöglichen.
Partnerschaft oder Ehe?
Ich finde es falsch, wenn man im Zusammenhang mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften von "Ehe" redet. Homosexuelle Partnerschaften können und brauchen nicht als "Ehe" verstanden und bezeichnet werden. Auch der Begriff "Heirat" ist falsch am Platz. Sowohl kirchliche, wie auch staatliche Instanzen und ganz besonders schwule und lesbische Organisationen sollten sich von diesen Begriffen distanzieren. Für die Kirchen muss es doch darum gehen, gleichgeschlechtlich orientierte Menschen weder als in der Illegalität lebende, noch als besonders sündhaft handelnde Menschen abzustempeln. Sie sollen ein Interesse daran haben, dass sich homosexuelle Paare, die sich lieben, mit Hilfe der staatlichen Gesetzgebung als echte Partner verstehen und sich gegenseitig in Solidarität und Fürsorge für einander verpflichten können (Erbrecht, Besuchsrecht in Spitälern usw.), dass sie also ein menschenwürdiges Recht haben, genau so, wie heterosexuelle Paare auch.
Kirchliche Segnung
Wenn homosexuelle Paare sich in unserer Kirche verwurzelt und geborgen fühlen, wenn sie sich aktiv am kirchlichen Leben beteiligen, die Gottesdienste besuchen und auch Kontakte zu andern Gemeindegliedern pflegen, und wenn sie eine kirchliche Segnung ihrer Lebensgemeinschaft wünschen, dann sollte unsere Kirche sie ihnen nicht verweigern. Aber auch hier ist klar zu unterscheiden: Die Segnung einer homosexuellen Partnerschaft ist keine Eheschliessung, keine Heirat und tangiert das kirchliche Verständnis der Ehe als Sakrament der christkatholischen Kirche in keiner Weise. Eine solche Segnung hat vielmehr mit Seelsorge, psychologischem und pastoralem Einfühlungsvermögen zu tun. Adoptionen von Kindern in homosexuellen Partnerschaften würde ich jedoch aus Sorge um die Kinder ablehnen, denn homosexuelle Paare können nicht Vater und Mutter sein. Ein Kind ist aber bei seiner Entwicklung - wie die Erfahrung und die Entwicklungspsychologie und nicht zuletzt auch das religiöse Verständnis zeigen - auf einen weiblichen und männlichen Elternteil und ganz besonders auf ein Geborgenheit spendendes Familienleben angewiesen. Ein solches können homosexuelle Paare einfach nicht bieten.
Homosexueller Bischof
Dass sich der 56-jährige Canon Gene Robinson offen zu seinem homosexuell orientierten Leben und zu seinem Partner bekennt, ist wohl nur möglich geworden nach vielen inneren und äusseren Kämpfen. Der früher verheiratete Mann und Vater von Kindern lässt bekenntnishaft durchblicken, dass er diesen Weg in der "Auseinandersetzung mit Gott und dem Evangelium" gehen musste. Er riskierte, nach seinem "Coming Out" das Priesteramt zu verlieren. Dass es nicht so gekommen ist, dass er vielmehr von den Delegierten gewählt und seine Wahl von der Mehrheit der Bischöfe bestätigt worden ist, lässt darauf schliessen, dass dem neuen Bischof fachliche und menschliche Qualitäten eigen sein müssen, die von den Wahlgremien als Voraussetzung für das verantwortungsvolle Amt gewertet worden sind. Wenn das so ist, dann hat man in unserer zur Anglikanischen Kirchengemeinschaft gehörenden Schwesterkirche wohl richtig entschieden.
Besondere Fähigkeit
Man hat in erster Linie einen qualifizierten Menschen zum Bischof gewählt und dessen sexuelle Orientierung, die ohnehin in den Bereich des Privaten und Intimen gehört, nicht den Ausschlag geben lassen. Dieses Vorgehen finde ich richtig, und ich meine, dass wir uns auch in unserer Kirche dafür einsetzen sollten, homosexuelle Menschen als Amtsträger zu akzeptieren. Homosexuelle Männer und Frauen verfügen oft über Gaben, die im Beruf als Seelsorger und Seelsorgerin von besonderem Wert sind. Sie haben eine besondere Fähigkeit, sich in andere Menschen einzufühlen, können gut zuhören, zeigen Verständnis und Hilfsbereitschaft und äussern ohne falsche Hemmung ihre Gefühle.
Die beiden aktuellen Ereignisse haben mich zu diesen Gedanken veranlasst. Ich habe meine persönliche Meinung geäussert, nichts mehr und nichts weniger. Die Zeichen der Zeit, der Entscheid unserer Schwesterkirche in Amerika, die Gefahr um die Bewahrung der Einheit in der Kirche gehen aber auch uns sehr viel an. Wir werden auch in den Kirchen der Utrechter Union und also auch in unserer Christkatholischen Kirche der Schweiz nicht mehr länger darum herumkommen, uns mit den Fragen um Homosexualität auseinanderzusetzen. Und ich hoffe, dass wir es bald tun werden.
+ Fritz-René Müller
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