Informationsabend zur Reorganisation der Seelsorge in Fricktal
Konzentration aufs Kerngeschäft
Seit mehr als einem Jahr hat ein grosses Projektteam sich bemüht, Vorschläge für ein gesichertes Fortbestehen der Seelsorge im Fricktal auszuarbeiten. Am 8. Juni sind die Visionen des Teams vor etwa 140 Gliedern der sieben betroffenen Gemeinden in der Kirche St. Leodegar in Möhlin präsentiert worden.
Durch demografische Veränderungen schwindet die Finanzkraft der christkatholischen Kirchgemeinden, auch im Fricktal. Das 27-köpfige Projektteam hat versucht, Wege zur Anpassung an diese neue Situation zu finden. Bischof Fritz-René Müller betonte in seinem Grusswort, dass vor allem Offenheit wichtig sei. Wer sucht, wird nicht unbedingt das finden, was er sich vorstellt; fixe Erwartungen können sogar den Blick auf neue Lösungen versperren.
Seelsorge Gesichert
Eine fixe Erwartung hatte jedoch das Team an seine Arbeit: der Fortbestand der Seelsorge muss gewährleistet sein. Dieses Ziel hatte das Team während ihres 15-monatigen Arbeitsprozesses immer vor Augen. Wie Projektbegleiter Jean-Claude Veyre betonte, sind in den Beratungen viele verschiedenen Lösungen zur Sprache gekommen: Vor- und Nachteile von allen Vorschlägen wurden sorgfältig abgewogen und lange diskutiert. Die Lösung, die am 8. Juni präsentiert wurde und unter dem Namen „Christkatholische Kirche im Fricktal“ läuft, sieht einen Verband aller sieben Gemeinden vor. Jede Gemeinde wird einen Pfarrer anstellen, allerdings nicht zu 100%, und es werden in jeder Gemeinden genug Gottesdienste gefeiert. Der Gottesdienstplan, der schon fürs Jahr 2006 vorsorglich ausgearbeitet wurde, sieht im ganzen Fricktal meist sechs Gottesdienste pro Woche vor.
Seelsorge ist freilich nicht nur Gottesdienstvorbereitung und –leitung, so wichtig diese Funktionen auch sind. Ein Pfarrer, ein Diakon muss für seine Leute Zeit haben, und dieser Punkt hat besondere Aufmerksamkeit bekommen. Es ist vorgesehen, durch organisatorische Massnahmen die Seelsorger von Tätigkeiten (Mutationswesen usw.) zu entbinden, die eigentlich nicht ihrem Berufsbild und ihrer Ausbildung entsprechen. So werden sie sich ganz in der Seelsorge einsetzen können; dadurch wird es wegen der Reduktion an Pfarrerstellen nicht eine entsprechende Reduktion an seelsorgerischer Betreuung geben. Die Beiträge für das Kirchenblatt, zum Beispiel, werden von einem zentralen Sekretariat gesammelt; dieses Sekretariat wird auch die Kirchgemeinden in vielen Bereichen entlasten. Weitere Entlastung bietet die vorgesehene Regionalkonferenz der Vertreter der sieben Kirchgemeinden; sie wird für die Anstellung der Katecheten und Sekretärinnen verantwortlich sein, wird jedoch ihre Entscheide in Absprache mit dem Team der Geistlichen treffen.
Autonome Gemeinden
Die einzelnen Kirchgemeinden bleiben weiterhin
selbstständig, und werden ihre eigenen Seelsorger wählen. Sie werden dies nach
einem gemeinsam beschlossenen Schlüssel tun, damit der ganze Verband nicht mehr
Seelsorge-Stellenprozente hat, als das Fricktal sich leisten kann. Insgesamt,
ist gerechnet worden, wird es möglich sein, 390 Stellenprozente für das ganze
Fricktal einzusetzen. Die Gemeinden werden dem Verband einen vertraglich
vereinbarten Beitrag zahlen, Die Kosten des Sekretariats, die Löhne der
Geistlichen und Katecheten werden somit vom Gemeindeverband übernommen.
Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden und der Regionalkonferenz ist auch in der
Erarbeitung des Gottesdienstplans vorgesehen: Die Gemeinden werden selber für
ihre Gottesdienste besorgt sein, aber die Planung wird auf regionaler Ebene
koordiniert. So wird es weiterhin denkbar sein, dass ein Kinder- oder
Segnungsgottesdienst als regionaler Gottesdienst angeboten wird. Wie
bisher wird die Gottesdienstseelsorge nicht nur durch den oder die angestellten
Seelsorger einer Gemeinde aufrecht erhalten werden; Aushilfen verschiedener Art
werden nach wie vor in Anspruch zu nehmen sein. Auch die Christkatholische
Landeskirche des Kantons Aargau wird weiterhin bestehen und nichts von ihrer
Bedeutung einbüssen.
Für sich … mit anderen
Ein Verband von autonomen Gemeinden ist eben keine Gemeinde: Die Kirchenpflegen der einzelnen Gemeinden werden wie bisher gewählt und werden die Verantwortung für ihre Gemeinden keineswegs abgeben. So werden sie immer noch für die Verwaltung der Kirchen und anderer Liegenschaften besorgt sein. Auch der Religionsunterricht der Unter- und Mittelstufe, ein nicht zu unterschätzender Teil der Seelsorge, bleibt Sache der Gemeinden. Die verschiedenen Frauenvereine, um ein Beispiel zu nehmen, bleiben ebenfalls autonom, obwohl sie für gewisse Anlässe zusammenspannen können; das ist ja schon jetzt möglich. Die Zahlen, die am 8.Juni präsentiert wurden, entsprechen dem Stand der Besprechungen am 18. Mai, und sind noch nicht endgültig. Es wurde sogar am Informationsabend selber ein neuer Vorschlag gemacht, und auch er wird genauestens begutachtet.
Das Projektteam muss möglichst bald zu einem definitiven Konsens kommen, denn der Vertrag muss ausgearbeitet werden. Die neue Sekretariatsstelle - 100 Stellenprozente, verteilt auf mehrere Personen - muss geschaffen werden, und jede Gemeinde muss im Herbst eine ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung halten, um über den Vertrag abzustimmen.
Vorausgesetzt, dass jede der sieben Gemeinden in Fricktal dem Verband zustimmt, wird der Vertrag unterzeichnet und die politischen Behörden sowie die anderen Landeskirchen über die Neuerung informiert. Dann wird es so weit sein, und das ehrgeizige Ziel - Beginn der “Christkatholischen Kirche im Fricktal” am 1. Januar 2006 - wird erreicht.
Allen Verantwortlichen ist es klar, dass die momentanen Verhältnisse nicht haltbar sind. Eine Veränderung drängt sich auf. Oder wie das Projektteam auf ihrem Informationsblatt zitiert:
“Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird.
Ich weiss nur, dass es anders werden muss, wenn es besser werden soll”.
Jean Drummond-Young